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Das flüssige Land

  • Erscheint am 24. August 2019
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  • Die Eltern der Physikerin Ruth haben vor ihrem Unfalltod verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden. Doch Groß-Einland, zunächst überhaupt nicht auffindbar, ist in vielerlei Hinsicht geheimnisvoll. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Keiner will darüber sprechen, nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. Je mehr Fragen sie stellt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Raphaela Edelbauer geht in ihrem Debütroman dem Verdrängen auf den Grund.

    Hintergründe und Antiheimat

    Das Flüssige Land beschäftigt sich intensiv mit dem, was die Aborigines die "Traumzeit" nennen: Die zeit- und raumlose Schöpfungsgegenwart, in der Mythen, Ursünden, Archetypen und Sprachmuster eines Volkes sich zu einem Landschaftsgewebe vereinigen. In diesen fleischwerdenden Topoi eines Landes, den vergegenständlichten Erinnerungen, stellt sich letztlich mehr als alles die Frage, was für junge Österreischer das kollektive Erbe unserer Vergangenheit bedeutet. In Das flüssige Land ersteht jene "Kollektiverinnerung" ganz leiblich auf, und verwebt die dörfliche Struktur zu einem opaken Traumgewebe.

    Das Aufkommen der Identitären Bewegung sowie die Tendenz zu rechtsradikalen Politpositionen in Europa haben die Fragestellung des Buches für mich unumgänglich gemacht. Heimat- und Identitätsbegriffe werden wieder stärker in den medialen Fokus gerückt und zum ersten Mal seit '45 wieder in stolzer, unreflektierter Weise verwendet. Die Hauptfigur Ruth reist nicht metaphorisch sondern ganz real in die Untiefen ihrer Familiengeschichte, und das aus einem ganz bestimmten Grund: Die Traumzeit-Thematik schien mir vor allem wegen der (in der Fußnote angesprochenen) Unschuldsthese der Natur angeraten, die im Österreich (und natürlich auch Deutschland) der 50er-Jahre grassierte.

    Ihre ideologische Aufladung soll im Text knistern und sich in Gewittern entladen, die Gipfel sich krachend verschieben und die Wälder sich unter der Last des Geschehenen biegen, bis die Fragen hervortreten, um die es mir geht: Kann unsere Heimat jemals wieder neutral oder gar authentisch sein? Gibt es eine Kollektiverinnerung, die in unaufmerksamen Momenten in unseren Gehirnwindungen erwacht? Und kann die Vergangenheit jemals nichts mit uns zu tun haben?